Louwen Ernährung für spezielle Lebensphasen

Louwen Ernährung für spezielle Lebensphasen
Inhalt7 Abschnitte
  1. Was hinter der Louwen Ernährung steckt
  2. Wie belastbar ist die Datenlage?
  3. Was unabhängig davon belegt ist
  4. Datteln als zweiter Baustein der Geburtsvorbereitung
  5. Grenzen und Vorsichtsregeln
  6. Andere Lebensphasen: enterale und parenterale Ernährung
  7. Häufige Fragen

Der Begriff Louwen Ernährung taucht in Geburtsvorbereitungskursen, Hebammensprechstunden und Schwangerschaftsforen regelmäßig auf – meist verbunden mit der Hoffnung auf eine kürzere und weniger schmerzhafte Geburt. Gemeint ist eine Ernährungsform, die in den letzten Schwangerschaftswochen auf schnell verfügbare Kohlenhydrate verzichtet. Benannt ist sie nach Prof. Dr. med. Frank Andre Louwen, Pränatalmediziner und leitender Arzt der Geburtshilfe am Universitätsklinikum Frankfurt, wie swissmom beschreibt.

Die Schwangerschaft ist allerdings nur eine von mehreren Lebensphasen, in denen Ernährung zur medizinischen Frage wird. Wer sich mit dem Thema beschäftigt, stößt schnell auf weitere Sonderformen: auf die enterale Ernährung über eine Sonde etwa oder auf die parenterale Ernährung über die Vene. Dieser Artikel ordnet ein, was die Louwen Ernährung tatsächlich leisten kann, wie belastbar die Datenlage ist und welche Regeln in anderen besonderen Situationen gelten.

Was hinter der Louwen Ernährung steckt

Die häufig verwendete Bezeichnung „Louwen-Diät“ ist irreführend. Laut DKV geht es nicht um Gewichtsreduktion, sondern um eine Ernährungsform, mit der der glykämische Status – also die Höhe des Blutzuckers – beeinflusst werden soll. Das Konzept sieht laut DKV vor, sechs bis acht Wochen vor dem errechneten Geburtstermin auf bestimmte Kohlenhydrate und Zucker zu verzichten und Lebensmittel zu meiden, die den Blutzucker stark ansteigen lassen und eine hohe Insulinausschüttung bewirken.

Die Annahme dahinter: Insulin und Prostaglandin stehen laut DKV miteinander in Wettbewerb. Prostaglandine sind Gewebshormone, die laut swissmom ab etwa der 35. Schwangerschaftswoche vermehrt gebildet werden; sie lassen den Gebärmutterhals weicher werden, den Muttermund reifen und spielen beim Auslösen der Wehen eine große Rolle – wirken können sie nur, wenn sie an passende Rezeptoren andocken. Laut R+V setzt Prostaglandin zudem die Schmerzempfindlichkeit herab und steuert Entzündungsreaktionen. Ergänzend beschreibt schwanger.at, dass Prostaglandine zu einer stärkeren Oxytocin-Ausschüttung beitragen, das für Wehen und den Fortgang der Geburt benötigt wird. Dass diese Hormongruppe geburtswirksam ist, zeigt sich auch daran, dass Prostaglandine laut swissmom in der Geburtsmedizin zur Einleitung eingesetzt werden, etwa als Vaginalgel.

Als praktischer Startpunkt wird laut Dagmar von Cramm häufig die 32. bis 34. Schwangerschaftswoche genannt, spätestens sechs Wochen vor dem Termin soll die Umstellung beginnen – orientiert am glykämischen Index der Lebensmittel. Wer sich generell dafür interessiert, wie sich Blutzucker, Sättigung und Lebensmittelauswahl über Jahrzehnte hinweg auf die Gesundheit auswirken, findet dazu strukturierte Grundlagen.

Wie belastbar ist die Datenlage?

Hier ist Ehrlichkeit angebracht: Im Bereich der Geburtshilfe ist diese Ernährungsform laut swissmom bislang kaum wissenschaftlich belegt. Laut HiPP Fachkreise basieren die Empfehlungen im Wesentlichen auf anekdotischer Evidenz aus der langjährigen geburtshilflichen Berufserfahrung von Prof. Louwen; Studien direkt zur „Louwen-Diät“ sind der dort zitierten Fachautorin nicht bekannt. Als eine der herangezogenen Grundlagen gilt laut Hebammenblog eine Tierstudie zur ernährungsbedingten Regulierung der uteroplazentaren Prostaglandinproduktion (Fowden et al., 1994), auf die sich Prof. Louwen in einem Vortrag bezogen hat.

Noch grundsätzlicher wird im Hebammenblog eingewandt, dass es die „Louwen-Diät“ als offiziell herausgegebenes, evidenzbasiertes Konzept gar nicht gibt, im Netz aber vieles darüber kursiert – vergleichbar mit stiller Post. Eine Arbeit der ZHAW hält fest, dass Bezeichnungen wie „Louwen Diät“ oder „Louwen Ernährung“ eine Verbindung zu Prof. Louwen assoziieren und dadurch eine evidenzbasierte Grundlage vermutet werden könnte – wovon sich die Autorinnen bewusst distanzieren.

Das Fazit einer hebammenfachlichen Einordnung fällt entsprechend differenziert aus: Laut Hebammenblog ist Zurückhaltung bei kurzkettigen Kohlenhydraten in den letzten Schwangerschaftswochen sinnvoll, und eine Ernährung mit niedrigem glykämischen Index hat vermutlich positive Effekte auf Schwangerschaft und Geburt – ob sie zu einer schmerzärmeren oder kürzeren Geburt beiträgt, ist jedoch nicht abschließend geklärt.

Was unabhängig davon belegt ist

Auch ohne Studien zur Louwen Ernährung selbst gibt es Belege für den zugrunde liegenden Ernährungsstil. Laut Dagmar von Cramm ist erwiesen, dass sich eine Ernährung mit niedrigem glykämischen Index positiv auf die Mutter auswirkt und dem Kind nicht schadet. Laut Medscape zeigt eine Metaanalyse, dass Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes bei einer Ernährung mit niedrigem glykämischen Index seltener eine Insulintherapie benötigen und das Geburtsgewicht des Kindes niedriger ausfällt.

  • Zu den Lebensmitteln mit niedrigem glykämischen Index zählen laut Medscape beispielsweise Joghurt, Linsen, Soja, Äpfel, Kartoffeln und Vollkornbrot.
  • Die deutsche Leitlinie zum Gestationsdiabetes empfiehlt laut Medscape vor allem, den Kohlenhydratanteil der Ernährung auf 40 bis 45 Prozent zu begrenzen.
  • Adipösen Frauen mit einem BMI vor der Schwangerschaft von mindestens 30 kg/m² rät die Leitlinie laut Medscape zu einer moderaten Kalorienreduktion um etwa ein Drittel des Tagesbedarfs.
  • Zuckerhaltige Getränke sind laut Netzwerk Gesund ins Leben in der Schwangerschaft nicht empfehlenswert; als Richtwert für die tägliche Trinkmenge gelten dort etwa 1,5 Liter.

Das Netzwerk Gesund ins Leben adressiert in seinen bundesweit einheitlichen Handlungsempfehlungen zudem Körpergewicht vor der Konzeption, Gewichtsentwicklung, Energie- und Nährstoffbedarf, Supplemente wie Folsäure, Jod, Eisen und DHA, den Schutz vor Lebensmittelinfektionen, körperliche Aktivität, Alkohol, Rauchen und Koffein. Eine Ernährungsumstellung in der Spätschwangerschaft steht also nie allein.

Datteln als zweiter Baustein der Geburtsvorbereitung

Häufig gemeinsam mit der Louwen Ernährung genannt werden Datteln – interessanterweise ein Lebensmittel mit hohem Zuckergehalt. Laut HiPP Fachkreise führte in einer randomisiert-kontrollierten Studie aus Jordanien (Al-Kuran, 2011) der tägliche Verzehr von sechs Datteln ab der vollendeten 36. Schwangerschaftswoche zu einer signifikanten Verkürzung der Latenzphase; der Einsatz von Prostaglandin und Oxytocin war um 20 Prozent geringer. Laut Hebammenblog aßen dort 69 Frauen täglich sechs Datteln, die Kontrollgruppe umfasste 45 Frauen; die Dattelgruppe zeigte bei Aufnahme eine Muttermundsweite von knapp 4 cm gegenüber gut 2 cm, häufiger einen spontanen Wehenbeginn (96 Prozent gegenüber 79 Prozent) und eine kürzere Latenzphase (510 gegenüber 906 Minuten). Bestätigt wurden die Befunde laut HiPP Fachkreise 2017 in einer iranischen Studie (Kordi) mit 182 randomisierten Erstgebärenden zwischen 18 und 35 Jahren, bei der eine Gruppe ab vier Wochen vor dem Termin täglich 70 bis 76 g Datteln verzehrte.

Bei Schwangerschaftsdiabetes sollte der Dattelverzehr laut babelli vorab mit Arzt, Ärztin oder Diabetologie abgeklärt werden; wenn erlaubt, ist eine Verteilung über den Tag und die Kombination mit einer Mahlzeit sinnvoll.

Grenzen und Vorsichtsregeln

Bei Typ-1-Diabetes ist die Louwen-Diät laut swissmom nicht geeignet; bei anderen Stoffwechselerkrankungen sollte vor einer Ernährungsumstellung zwingend mit der behandelnden Ärztin oder dem Arzt gesprochen werden. Laut BIG direkt gesund gilt dasselbe bei Vorerkrankungen, einer Risikoschwangerschaft oder festgestellten Nährstoffmängeln – dann gehört das Vorhaben vor dem Start mit Arztpraxis und Hebamme besprochen. Bei diagnostiziertem Gestationsdiabetes sollte laut Hebammenblog jede Ernährungsumstellung vorab fachlich abgestimmt werden.

Ein typischer Fehler ist laut Kaufland Familienmomente eine zu starke Einschränkung: Auch bei der Louwen Ernährung muss auf eine ausreichende Kohlenhydratzufuhr und abwechslungsreiche Kost geachtet werden, weil der Körper in der Schwangerschaft viel Energie und alle essenziellen Nährstoffe benötigt. Relevant bleibt das Thema auch nach der Geburt: Bei Frauen mit erstmals in der Schwangerschaft aufgetretener Glukosetoleranzstörung besteht laut einer bei PMC veröffentlichten Leitlinienarbeit ein höheres Risiko für perinatale Morbidität und Mortalität, für operative Entbindungen sowie für einen späteren Typ-2-Diabetes und kardiovaskuläre Komplikationen. Nach Gestationsdiabetes sollen dort bei Normalbefund alle zwei bis drei Jahre weitere Testungen erfolgen.

Andere Lebensphasen: enterale und parenterale Ernährung

Deutlich enger medizinisch geregelt sind Ernährungsformen, bei denen die normale Nahrungsaufnahme nicht mehr ausreicht. Die enterale Ernährung umfasst laut Seeger Gesundheit alle Formen der Nährstoffzufuhr über den Magen-Darm-Trakt, bei denen die natürliche Verdauungsfunktion erhalten bleibt; sie gliedert sich unter anderem in Trinknahrung und Sondenernährung. Laut PTAheute wird die Nährlösung dabei über eine Sonde direkt in Magen oder Dünndarm gegeben; häufigster Grund für eine Ernährung dieser Art zu Hause sind neurologische Erkrankungen mit Schluckstörung, weitere Anlässe sind Tumoren im Verdauungstrakt oder Kehlbereich, Magen-Darm- und Gehirnerkrankungen sowie bestimmte Stoffwechselstörungen.

Bei der parenteralen Ernährung werden die Nährstoffe laut PTAheute direkt ins Blut geleitet, die Verdauungsorgane sind nicht beteiligt. Die Indikation zur intravenösen Ernährung besteht laut Gelbe Liste dann, wenn der Makro- und Mikronährstoffbedarf nicht oral oder über gastrointestinale Sonden gedeckt werden kann.

Merkmal Enterale Ernährung Parenterale Ernährung
Zufuhrweg Magen-Darm-Trakt, oral oder über Sonde (laut Seeger Gesundheit) direkt ins Blut über einen Zugang (laut PTAheute)
Verdauung bleibt erhalten (laut Seeger Gesundheit) Verdauungsorgane nicht involviert (laut PTAheute)
Rangfolge vorzuziehen, weil physiologischer (laut pflegebox) kontraindiziert, wenn enterale Ernährung möglich ist (laut Gelbe Liste)
Typische Komplikation Verstopfen der Sonde, Reflux- und Aspirationsgefahr (laut pflege.de) mikrobielle Besiedlung des Katheters (laut AkdÄ)

Bei strenger Indikationsstellung ist die parenterale Ernährungstherapie laut AkdÄ eine etablierte Therapieform, die mit vorgefertigten Komplettlösungen auch im häuslichen Umfeld sicher anwendbar ist; Einleitung, Organisation und Überwachung sollen durch ein erfahrenes, interdisziplinäres Ernährungsteam erfolgen. Laut pflege.de muss die behandelnde Ärztin oder der Arzt in regelmäßigen Abständen prüfen, ob die Gründe für eine enterale Ernährung noch bestehen; bei Komplikationen oder im Sterbeprozess ist eine Behandlungsalternative oder ein Abbruch zu erwägen. Zu den ethischen und rechtlichen Gesichtspunkten der künstlichen Ernährung existiert laut AkdÄ eine eigene Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin.

Häufige Fragen

Ab wann beginnt man mit der Louwen Ernährung?

Das Konzept sieht laut DKV eine Umstellung sechs bis acht Wochen vor dem errechneten Termin vor. Laut Dagmar von Cramm wird als praktischer Startpunkt häufig die 32. bis 34. Schwangerschaftswoche genannt.

Ist eine leichtere Geburt durch die Louwen Ernährung wissenschaftlich belegt?

Nein. Laut swissmom ist die Ernährungsform in der Geburtshilfe bislang kaum wissenschaftlich belegt, und laut HiPP Fachkreise stützen sich die Empfehlungen im Wesentlichen auf Berufserfahrung. Belegt ist laut Dagmar von Cramm lediglich, dass eine Ernährung mit niedrigem glykämischen Index der Mutter nutzt und dem Kind nicht schadet.

Darf man bei Gestationsdiabetes nach diesem Prinzip essen?

Nur nach Absprache: Laut Hebammenblog sollte bei diagnostiziertem Gestationsdiabetes jede Ernährungsumstellung vorab fachlich abgestimmt werden. Bei Typ-1-Diabetes ist die Ernährungsform laut swissmom nicht geeignet.

Wie viele Datteln werden in den Studien genannt?

Laut HiPP Fachkreise waren es in der jordanischen Studie sechs Datteln täglich ab der vollendeten 36. Schwangerschaftswoche, in der iranischen Studie 70 bis 76 g täglich ab vier Wochen vor dem Termin.

Wann kommt enterale, wann parenterale Ernährung infrage?

Laut PTAheute sind medizinische Ernährungsformen indiziert, wenn der Nährstoffbedarf nicht anders gedeckt werden kann. Die enterale Variante ist laut pflegebox vorzuziehen, weil sie den Magen-Darm-Trakt einbezieht und dessen Funktion erhält; die parenterale Ernährung ist laut Gelbe Liste kontraindiziert, solange eine enterale Ernährung möglich ist.

AV
Geschrieben vonAnnika Vollmer

Redaktionsprofil von becomePro. Annika Vollmer betreut Gesundheit und Ernährung. Sie ordnet Ratgeber und Kurse ein und achtet darauf, wo eine ärztliche Abklärung nötig bleibt.

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Annika Vollmer
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