Camping Kocher und Grills für unterwegs

Camping Kocher und Grills für unterwegs
Inhalt8 Abschnitte
  1. Welche Kochersysteme es für unterwegs gibt
  2. Kartuschensysteme im Vergleich
  3. Propan, Butan oder Isobutan: Was bei Kälte funktioniert
  4. Kohlenmonoxid: die unterschätzte Gefahr im Zelt
  5. Sicher kochen: die wichtigsten Regeln
  6. Normen, Kennzeichen und Zündsicherung
  7. Grillen unterwegs: was erlaubt ist
  8. Häufige Fragen

Warmes Essen am Abend gehört für viele zum Reisen dazu, egal ob der Stellplatz an der Ostsee liegt oder das Zelt an einem Fluss steht. Die Auswahl an Geräten ist groß: vom faustgroßen Schraubkocher für den Rucksack über den zweiflammigen Standkocher bis zum klappbaren Grill für den Kofferraum. Welches Gerät passt, hängt weniger vom Katalogtext ab als von der Frage, wie oft, wie lange und bei welchen Temperaturen gekocht wird – und davon, welcher Brennstoff unterwegs überhaupt nachzukaufen ist.

Gleichzeitig ist ein Kocher kein harmloses Küchengerät. Beim Betrieb wird mit Brennstoff und offener Flamme hantiert, und es komme immer wieder zu Explosionen, in der Regel durch Anwendungsfehler, erklärt ein Explosions- und Brandschutzexperte laut TÜV-Verband. Dieser Beitrag ordnet die gängigen Systeme ein, erklärt die Unterschiede zwischen den Kartuschen und Gasarten und fasst zusammen, welche Sicherheits- und Rechtsfragen beim Kochen und Grillen unterwegs tatsächlich zählen.

Welche Kochersysteme es für unterwegs gibt

Campingkocher werden nach dem Brennstoff unterschieden. Gas ist die verbreitetste Variante, weil die Flamme sofort brennt, sich fein regeln lässt und keine Vorwärmphase nötig ist. Spiritus- und Benzingeräte haben ihre eigenen Stärken, sind aber in der Handhabung anspruchsvoller. Holz- und Kohlegeräte wiederum verbinden Kochen und Grillen, erzeugen dafür Asche und Funkenflug.

  • Gaskocher: schnell einsatzbereit, gute Regelbarkeit, Brennstoff in Kartuschen oder Flaschen. Laut jagd.de sollte der Betrieb bei Außentemperaturen über 40 °C vermieden werden, und Butangas liegt nur oberhalb des Gefrierpunkts gasförmig vor.
  • Spirituskocher: einfacher Aufbau ohne Druckbehälter, dafür längere Kochzeiten.
  • Benzin- und Mehrstoffkocher: unempfindlich gegen Kälte, erfordern aber Vorheizen und Wartung.
  • Holz- und Kohlegeräte: Laut caravan.fm dürfen hier keine flüssigen Brandbeschleuniger verwendet werden, und die Asche sollte vor der Entsorgung mindestens zwei Tage auskühlen, am besten in feuerfesten Aschebehältern.

Für die meisten Reisenden läuft die Entscheidung auf einen Gaskocher hinaus – ein- oder zweiflammig, je nachdem, ob neben dem Hauptgericht noch Wasser heiß werden soll. Wer mit einer einzigen Flamme auskommt, kocht in der Praxis fast alles in einem Topf: Eintöpfe, Pfannengerichte, Nudeln samt Soße. Das spart Gas, Wasser und Abwasch und macht die Ausrüstung deutlich leichter.

Kartuschensysteme im Vergleich

Beim Gas entscheidet nicht nur der Kocher, sondern vor allem der Anschluss. Laut Wikipedia werden drei Kartuschensysteme unterschieden: Stechkartusche, Schraub-Ventilkartusche und Bajonett-Ventilkartusche. Die Stechkartusche hat kein Ventil, ein Hohldorn sticht sie beim Einsetzen auf; die Einstichmulde muss staub-, fett- und etikettenfrei sein, sonst dichtet die Gummidichtung nicht zuverlässig ab. Entfernen lässt sie sich laut mein-camping-kuehlschrank.de erst, wenn sie verbraucht ist, da sonst der gesamte Restinhalt auf einmal ausströmen würde.

System Merkmal Passt zu
Stechkartusche ohne Ventil, bleibt während der Nutzung fest am Kocher laut bergfreunde.de einfachere Campingkocher und Campingplätze, weniger für Touren mit häufigem Auf- und Abbau
Schraub-Ventilkartusche meist 7/16-Zoll-Gewinde nach EN 417, mehrfach verwendbar, auch nach dem Abnehmen sicher transportierbar laut bergfreunde.de Klassiker für Wander- und Campingkocher
Bajonett-Ventilkartusche Hebelverschluss, Ventil verhindert unkontrolliertes Ausströmen laut grillfuerst.de Geräte mit entsprechendem Anschluss; seit 2005 gibt es laut Wikipedia Adapter auf Schraubsysteme

Vor dem Kauf einer Kartusche sollte laut glisshop.de die Kompatibilität des Anschlusses geprüft werden, etwa EN 417, C206 oder CV300. Früher erhältliche Adapter von der Stechkartusche auf Schraubsysteme sind laut Wikipedia – vermutlich nach Sicherheitsproblemen – vom Markt verschwunden. Zu bedenken ist außerdem, dass Gaskartuschen laut gasheizer.org dünnwandige Behälter ohne Überdruckventil sind, in denen ein Druck von rund 10 bar herrscht. Kartuschen gehören deshalb laut caravan.fm geschützt vor direkter Sonneneinstrahlung und hohen Temperaturen.

Propan, Butan oder Isobutan: Was bei Kälte funktioniert

Die Gasmischung entscheidet darüber, ob der Kocher im Frühjahr am Morgen noch zündet. Propan verdampft laut camperstyle.de bis etwa −42 °C, Butan dagegen nur bis etwa −0,5 °C; fällt das Thermometer Richtung Null Grad, bleibt Butan flüssig und es kommt kein Druck mehr an. Isobutan liegt laut dachzeltnomaden.com mit einem Siedepunkt von rund −11,7 °C dazwischen und ist damit wintertauglicher als reines Butan. Erschwerend kommt hinzu, dass sich der Behälter beim Verbrennen abkühlt und der Druckverlust dadurch zusätzlich beschleunigt wird.

Für kalte Tage empfehlen sich laut bergfreunde.de Kartuschen mit hohem Propan- und Isobutan-Anteil. Bei Kochern mit Zuleitung nutzt man zunächst den Propananteil zum Zünden und Vorheizen und dreht die Kartusche anschließend um, damit auch das Butan verbrannt wird. Wer die passende Kartusche, Ersatzdichtungen und ein Feuerzeug schon beim Packen mitdenkt, spart sich die Suche am Stellplatz.

Kohlenmonoxid: die unterschätzte Gefahr im Zelt

Die wichtigste Regel lautet: Gaskocher gehören ins Freie. Laut TÜV-Verband dürfen Campingkocher für den Außenbereich nicht in geschlossenen Räumen oder Zelten betrieben werden; das gilt auch für Vorzelte, Fahrzeuge und jede Art von Unterstand, der den Luftaustausch einschränkt. Kohlenmonoxid ist laut co-macht-ko.de ein Atemgift, das man weder sehen noch riechen oder schmecken kann, und typische Warnsymptome wie Husten oder Atemnot fehlen.

Wie schnell es kritisch wird, zeigen die Zahlen: Bei etwa 70 ppm treten laut smartercamping.de bereits Übelkeit, Schwindel und Unwohlsein auf, bei 200 ppm über längere Zeit folgen Bewusstlosigkeit, Verwirrung und Tod – und Konzentrationen über 200 ppm können im Zelt ohne ausreichende Belüftung innerhalb von Minuten erreicht werden. Laut bergundsteigen.com verbrennt das Gas bei Sauerstoffmangel zunehmend unvollständig, es entsteht Kohlenmonoxid, und wenn die Flamme schließlich erlischt, strömt das Gas weiter aus, bis die Kartusche leer ist. Studien legen demnach nahe, dass ein schlecht gelüfteter Raum sogar gefährlicher sein kann als ein gar nicht gelüfteter.

Die Kohlenmonoxidvergiftung ist laut DocCheck Flexikon in Deutschland die häufigste unfallbedingte tödliche Vergiftung mit etwa 3.700 Klinikeinweisungen und rund 370 Todesfällen pro Jahr. Laut der S2k-Leitlinie zur CO-Vergiftung hat sich die Zahl der Sterbefälle seit 2007 mehr als verdoppelt; 2018 verstarben 629 Patienten, im selben Jahr wurden 3.943 stationäre Fälle registriert. Hinzu kommt die Brandgefahr: Kippt der Kocher um und berührt das Zeltmaterial, kann das Zelt laut smartercamping.de in wenigen Sekunden in Flammen stehen.

Sicher kochen: die wichtigsten Regeln

  • Nur im Freien betreiben, nicht in Zelt, Vorzelt oder Fahrzeug ohne ausreichende Belüftung (laut magazin.gasprofi.de und TÜV-Verband).
  • Auf festen, ebenen, nicht brennbaren Untergrund stellen und nie unbeaufsichtigt lassen.
  • Gerät und Kartusche vor jeder Nutzung auf Mängel, Leckagen und Dichtungen prüfen.
  • Nach dem Einsatz vollständig abkühlen lassen, bevor der Kocher verstaut wird, und eine Löschdecke in Reichweite halten (laut caravan.fm).
  • Beim Kochen im Wohnmobil Fenster oder Dachluken öffnen, keine Handtücher neben dem Kochfeld liegen lassen; ein Kohlenmonoxidmelder wird laut campluxoutdoors.de als sinnvolle Ergänzung empfohlen.

Normen, Kennzeichen und Zündsicherung

Beim Kauf helfen Prüfzeichen. Die CE-Kennzeichnung ist laut TÜV-Verband gesetzlich vorgeschrieben und bestätigt die Erfüllung der EU-Anforderungen, das freiwillige GS-Zeichen für geprüfte Sicherheit wird von einer unabhängigen Prüfstelle vergeben. Technisch maßgeblich ist DIN EN 521 für tragbare, mit Dampfdruck betriebene Flüssiggasgeräte; die Norm gilt laut Austrian Standards für Geräte mit nicht wiederbefüllbaren Kartuschen nach EN 417, darunter Kocher, Grills sowie Leucht- und Heizgeräte, während Bratgeräte für Innenräume ausgenommen sind. Gasbehälter und Schlauchleitungen selbst fallen nicht darunter.

Ein praktisches Ausstattungsmerkmal ist die Zündsicherung: Sie verhindert laut TÜV-Verband, dass Gas weiterströmt, wenn die Flamme erlischt, etwa durch überkochendes Wasser oder eine Windböe.

Grillen unterwegs: was erlaubt ist

Offenes Feuer ist in Deutschland im Wald und in Naturschutzgebieten laut R+V grundsätzlich verboten; wer dort grillt, ein Lagerfeuer entzündet oder raucht, muss mit Strafen in Höhe mehrerer Tausend Euro rechnen. Bundeswaldgesetz und Bundesnaturschutzgesetz sind laut bussgeldkatalog.org nur Rahmengesetze, die eigentlichen Regeln stehen in den Landeswald- und Landesforstgesetzen der 16 Bundesländer, ergänzt um Vorgaben von Kommunen oder Parkbetreibern. Die Bußgelder reichen demnach je nach Land von 55 Euro bis zu 100.000 Euro.

Auf fremdem Grund ist laut smartercamping.de immer die Erlaubnis des Eigentümers nötig, auf Campingplätzen gilt zusätzlich die Platzordnung; bei Verstößen drohen Verwarnung und im Wiederholungsfall Platzverweis. Für die Wiese gilt die Faustregel, dass der Grill nicht direkt auf dem Boden stehen sollte – ab etwa 50 cm Höhe entstehen demnach keine Brandflecken mehr im Gras.

Häufige Fragen

Darf ich den Gaskocher im Vorzelt benutzen, wenn ich lüfte?

Nein. Laut TÜV-Verband gilt das Verbot ausdrücklich auch für Vorzelte, Fahrzeuge und jeden Unterstand, der den Luftaustausch einschränkt. Laut bergundsteigen.com kann ein schlecht gelüfteter Raum sogar gefährlicher sein als ein gar nicht gelüfteter.

Welche Kartusche passt zu meinem Kocher?

Entscheidend ist der Anschluss. Laut glisshop.de sollte vor dem Kauf die Kompatibilität geprüft werden, etwa EN 417, C206 oder CV300. Für flexibles Camping werden laut kita.de Schraubkartuschen nach EN 417 genannt, weil sie zu vielen Kochern passen, Stechkartuschen für einfache Standkocher und große Propanflaschen meist für Wohnmobile.

Wie entsorge ich leere Gaskartuschen?

Nicht über den Restmüll. Laut EAD Darmstadt führten über den Hausmüll angelieferte Kartuschen zu vereinzelten kleineren Explosionen in den Müllkesseln des Müllheizkraftwerks. Vor der Entsorgung muss die Kartusche laut alpacacamping.de vollständig von Restgas befreit sein; Kartuschen mit Restgas gehören zum Schadstoffmobil oder Wertstoffhof. Sie zählen laut recyclingcoach.de zu den Problemstoffen, für die eine fachgerechte Entsorgung gesetzlich vorgeschrieben ist.

Darf ich Gaskartuschen im Flugzeug mitnehmen?

Grundsätzlich nicht. Gaskartuschen gelten im Luftverkehr als verdichtete Gase und sind laut Luftfahrt-Bundesamt als Gefahrgut im Passagiergepäck verboten. Fluggesellschaften lassen sie laut Lufthansa nur in eng begrenzten Ausnahmefällen und mit Transportgenehmigung zu, etwa bis maximal 50 ml Wasserkapazität pro Kartusche und so verpackt, dass sie nicht versehentlich aktiviert werden können.

Lohnt sich ein Kohlenmonoxidmelder?

Ein CO-Warngerät wird laut jagd.de empfohlen, und auch für das Wohnmobil gilt es laut campluxoutdoors.de als sinnvolle Ergänzung. Es ersetzt allerdings keine der genannten Grundregeln – laut Behördenhinweisen dürfen Camping-Gaskocher und Gasheizungen ohnehin nicht im Zelt, Wohnwagen oder in anderen geschlossenen Räumen benutzt werden.

SK
Geschrieben vonSvenja Kortmann

Redaktionsprofil von becomePro. Svenja Kortmann schreibt über Reisen, längere Auslandsaufenthalte und das Auswandern – mit Blick auf Vorbereitung, Papierkram und Sprache.

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