Gemüse für Hunde: welches geeignet ist und welches nicht

Gemüse für Hunde: welches geeignet ist und welches nicht
Inhalt8 Abschnitte
  1. Warum Gemüse überhaupt in den Napf gehört
  2. Verdaulichkeit: Zubereitung entscheidet über den Nutzen
  3. Welches Gemüse für Hunde geeignet ist
  4. Gemüse, das nicht in den Napf gehört
  5. Übersicht: Zubereitung und Risiko im Vergleich
  6. Vorerkrankungen: wann Vorsicht angebracht ist
  7. Verdacht auf Vergiftung: Anzeichen und erste Schritte
  8. Häufige Fragen

Karotte statt Kaubrocken, Kürbis im Napf, Gurkenscheiben als Snack: Gemüse gehört für viele Hundehalterinnen und Hundehalter längst zur täglichen Ration. Gleichzeitig kursieren widersprüchliche Listen darüber, was erlaubt ist und was nicht – mal steht die Tomate auf der Verbotsliste, mal gilt sie als unbedenklich. Der Grund für diese Verwirrung liegt meist im Detail: Nicht die Gemüseart allein entscheidet, sondern Reifegrad, Pflanzenteil, Menge und Zubereitung.

Dieser Artikel ordnet ein, welche Rolle pflanzliche Komponenten in der Hundefütterung tatsächlich spielen, warum rohes Gemüse häufig ungenutzt wieder ausgeschieden wird, welche Sorten sich bewährt haben und welche Pflanzen ernsthafte Vergiftungen auslösen können. Außerdem geht es um die Frage, woran eine Vergiftung zu erkennen ist und wann tierärztliche Hilfe nötig wird.

Warum Gemüse überhaupt in den Napf gehört

Hunde gelten von jeher als Fleischfresser und sollten laut Tierschutzliga hauptsächlich über eine ausgewogene Fleischmahlzeit versorgt werden. Für eine gesunde Verdauung und ein intaktes Immunsystem benötigen sie zusätzlich Vitamine, Ballaststoffe und Mineralien, wie sie Gemüse liefert. Der Beitrag pflanzlicher Komponenten ist damit kein Ersatz für tierische Anteile, sondern eine Ergänzung.

Realistisch betrachtet liegt der wesentliche Nutzen dabei nicht bei den Vitaminen. Laut Graf Barf besteht der wichtigste Beitrag von Gemüse in den Ballaststoffen, die Darmtätigkeit und Darmflora unterstützen und die Verdauungsgeschwindigkeit regulieren; Vitamine liefert Gemüse dem Hund nur in geringem Maß, Hauptvitaminquelle sind die tierischen Komponenten.

Dass pflanzliche Kost darüber hinaus gesundheitlich relevant sein kann, deutet eine Fall-Kontroll-Studie an: Laut Raghavan und Kollegen (2005, veröffentlicht im Journal of the American Veterinary Medical Association) war bei 87 erkrankten und 82 gesunden Scottish Terriern der Verzehr von Gemüse jeglicher Art mindestens dreimal pro Woche mit einem signifikant verringerten Risiko für ein Übergangszellkarzinom der Harnblase verbunden (p=0,001). Besonders deutlich zeigte sich dieser Zusammenhang laut derselben Untersuchung bei gelb-orangem Gemüse wie Karotten, Süßkartoffeln und gelbem Kürbis (p=0,005). Als möglicher Wirkmechanismus werden Carotinoide diskutiert, also fettlösliche Pigmente in grünem und gelb-orangem Gemüse, die Zellproliferation und -transformation verringern können.

Verdaulichkeit: Zubereitung entscheidet über den Nutzen

Ein häufiger Fehler ist es, rohe Gemüsestücke einfach unter das Futter zu mischen. Zellulose ist laut Dr. Hölter der Hauptbaustoff pflanzlicher Zellwände und kann als unlöslicher Faserstoff von Hunden und Katzen kaum oder gar nicht verdaut werden; in der Tierernährung wird sie unter anderem in Diätfuttern zur Gewichtsreduktion eingesetzt, weil sie die Verdaulichkeit anderer Inhaltsstoffe senkt und die Darmpassage beschleunigt.

Damit Nährstoffe aus pflanzlichen Lebensmitteln verfügbar werden, muss die Zellulose laut Clean Feeding mechanisch oder durch Erhitzen aufgespalten werden. Da der Hund ein Schlingfresser ist und Stücke kaum zerkaut, funktioniert die mechanische Zerkleinerung im Maul schlecht – deshalb wird Pürieren empfohlen. Hunde und Menschen bilden laut derselben Quelle in der Bauchspeicheldrüse Amylase und können Stärke daher aufspalten, Enzyme zum Aufspalten von Zellulose bilden jedoch fast alle Tiere einschließlich Mensch und Hund nicht.

Drei Methoden haben sich in der Praxis etabliert, um pflanzliche Zellwände aufzubrechen: Kochen, Einfrieren oder leichtes Andünsten von Gemüse und Früchten werden laut Barfland als gängige Vorgehensweise genannt. Rohes Gemüse in großen Stücken passiert den Verdauungstrakt des Hundes laut Graf Barf dagegen fast unverwertet.

Welches Gemüse für Hunde geeignet ist

Eine belastbare Liste für Obst und Gemüse orientiert sich weniger an starren Verboten als an drei Fragen: Enthält die Pflanze bekannte Giftstoffe? Wie wird sie zubereitet? Und verträgt der einzelne Hund sie? Als unproblematisch gelten in der Praxis vor allem Wurzel- und Kürbisgemüse sowie milde Blattgemüse in kleinen Mengen.

  • Karotte – gerieben, püriert oder gegart; laut der Scottish-Terrier-Studie eines der gelb-orangen Gemüse mit günstigem Ergebnis
  • Süßkartoffel – gegart; sie gehört laut Tierheilpraxis Saarpfalz botanisch zu den Windengewächsen und enthält kein Solanin
  • Kürbis – gegart und püriert, laut der genannten Studie ebenfalls eine der untersuchten gelb-orangen Sorten
  • Gurke – wasserreich, als kleiner Snack in Scheiben
  • Zucchini – gegart oder fein zerkleinert
  • Rote Bete – püriert, mit den Einschränkungen im nächsten Abschnitt
  • Kartoffel – geschält, reif und gekocht, ohne grüne Stellen gilt sie laut Tierheilpraxis Saarpfalz als sicher
  • Erbsen und Zuckerschoten – laut Utopia enthalten sie nur sehr wenig Phasin, gegart sind sie die verträglichere Wahl

Bei der Umstellung auf Gemüse muss sich der Magen-Darm-Trakt des Hundes laut Tierschutzliga schonend gewöhnen. Empfohlen wird, mit kleinen Portionen zu beginnen und hochwertiges Öl zum frischen Gemüse zu geben, damit der Hund die Nährstoffe besser aufnehmen kann. Hunde ohne bisherige Gemüsegewöhnung sollten laut Graf Barf langsam herangeführt werden, da zu viel Ballaststoff auf einmal Blähungen oder Durchfall verursachen kann.

Gemüse, das nicht in den Napf gehört

Als für Hunde problematische beziehungsweise giftige Gemüsesorten nennt die Tierschutzliga unter anderem Auberginen, Avocados, rohe grüne Bohnen, rohe Hülsenfrüchte, Knoblauch, Zwiebeln und Paprika. Die dahinterstehenden Wirkstoffgruppen lassen sich in drei Blöcke gliedern.

Lauchgewächse

Zwiebeln, Bärlauch, Knoblauch und Schnittlauch gehören laut Tierklinik Ismaning zu den Lauchgewächsen und enthalten Sulfide, die auch für den charakteristischen Geruch verantwortlich sind. Alle Lauchgewächse enthalten laut Haustier-Guru Schwefelverbindungen, die rote Blutkörperchen zerstören und eine hämolytische Anämie auslösen können; auch gekochte, gebratene oder getrocknete Zwiebeln sind giftig.

Fachlich beschrieben wird der Ablauf als Bildung von Methämoglobin, Denaturierung und Zerstörung der Zellmembran und Zerfall der roten Blutkörperchen, laut der Fachdarstellung zur Zwiebelvergiftung als „Zwiebelanämie“ bezeichnet; beim Menschen treten solche Vergiftungen nicht auf. Ein Grund dafür ist laut einem Fallbericht in einer Thieme-Fachzeitschrift die geringe antioxidative Katalaseaktivität der Erythrozyten beim Hund.

Zu den Mengen: Laut derselben Fachdarstellung gelten bei der Katze bereits 5 g rohe Zwiebel pro Kilogramm Körpermasse als toxisch, beim Hund 15 bis 20 g/kg. Rassen wie Akita, Shiba und Korea Jindo Dog sind wegen genetisch bedingt erhöhter Glutathion- und Kaliumkonzentration in den Erythrozyten besonders empfindlich. Laut Vitomalia treten Symptome bei frischer Zwiebel ab etwa 15 bis 30 g/kg Körpergewicht als Einmaldosis auf, niedrigere Mengen über mehrere Tage können kumulativ denselben Effekt erzeugen, und Knoblauch gilt pro Gramm als etwa fünfmal toxischer als Zwiebel. Zwiebelpulver sowie gekochte oder getrocknete Zwiebel sind laut derselben Quelle durch den Wasserentzug konzentrierter.

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Nachtschattengewächse

Nachtschattengewächse wie Kartoffeln, Tomaten und Auberginen enthalten laut einer Fachmeldung bei Thieme in grünen, keimenden oder unreifen Pflanzenteilen die leicht giftige Substanz Solanin, einen Sammelbegriff für bestimmte Glykoalkaloide, die die Pflanze vor Fraßfeinden schützt. Zur Familie der Solanaceae zählen laut Agila mehr als 2.500 Arten, darunter Auberginen, Paprika, Kartoffeln, Tomaten und Chili; obwohl diese Pflanzen für Menschen meist ungefährlich sind, können sie für Hunde und Katzen giftig sein.

Entscheidend ist der Reifegrad. Reife Auberginen sind laut der Thieme-Meldung roh wie gekocht nicht giftig, unreif können sie an grünlich gefärbten Stellen und am Stielansatz Solanin enthalten. Rohe oder grüne Kartoffeln, Tomaten und Auberginen enthalten laut Darf-ich-mit deutlich mehr Solanin als gekochte oder reife Exemplare; empfohlen wird, nur reife Tomaten ohne Stiele und Blätter zu geben und Kartoffelschalen sowie Kartoffelwasser zu vermeiden. Tomatin ist laut Tierheilpraxis Saarpfalz wie Solanin hitzestabil, Kochen ändert daran nichts Entscheidendes; bei Aufnahme unreifer Tomaten oder grüner Kartoffeln gibt es kein Gegengift, die Behandlung erfolgt symptomatisch.

Rohe Hülsenfrüchte

In der Gartenbohne, also Busch- und Feuerbohne, steckt das Lektin Phasin. Laut Bundesinstitut für Risikobewertung dürfen Bohnen im Gegensatz zu vielen anderen Gemüsearten nicht roh verzehrt werden, und das Lektin geht ins Blanchierwasser über, das verworfen werden sollte. Phasin verklebt die roten Blutkörperchen und stört den Sauerstofftransport; beim Menschen genügen laut Bundesinstitut für Risikobewertung bei Kindern fünf bis sechs rohe grüne Bohnen für Vergiftungssymptome. Die Informationszentrale gegen Vergiftungen des Universitätsklinikums Bonn stuft Phasin laut Vegpool als „sehr giftig“ ein.

Hitze entschärft das Problem: Das Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt laut Verbraucherzentrale, frische Linsen, Kichererbsen und Bohnen mindestens 30 Minuten zu kochen; Symptome reichen von leichten Magen-Darm-Beschwerden bis zu blutigen Durchfällen, Fieber, Krampfanfällen und Schock und treten in der Regel nach zwei bis drei Stunden auf. In Linsen ist Phasin laut Utopia in geringerer Menge enthalten als in Bohnen und nach etwa 15 Minuten Kochzeit unschädlich.

Avocado

Das Fruchtfleisch der Avocado enthält laut Landtiere den für Hunde giftigen Stoff Persin, der zu Herzmuskelstörungen führen kann. Verschluckt ein Hund einen Avocadokern, kann dies laut Tierklinik Ismaning zu einem Darmverschluss führen.

Übersicht: Zubereitung und Risiko im Vergleich

Gemüse Empfehlung Hintergrund laut Quelle
Karotte, Kürbis, Süßkartoffel gegart, püriert Gelb-oranges Gemüse mit günstigem Studienergebnis (Raghavan et al. 2005)
Kartoffel geschält, gekocht, ohne grüne Stellen Sicher laut Tierheilpraxis Saarpfalz, Schale und Kochwasser meiden
Tomate nur reif, ohne Stiel und Blätter Solanin und Tomatin in unreifen Teilen (Darf-ich-mit)
Aubergine problematisch, unreif giftig Von der Tierschutzliga als problematisch gelistet
Grüne Bohnen nie roh, lange garen Phasin, mindestens 30 Minuten kochen (Bundesinstitut für Risikobewertung)
Zwiebel, Knoblauch, Lauch ungeeignet Hämolytische Anämie durch Schwefelverbindungen (Haustier-Guru)
Avocado ungeeignet Persin und Kern als Risiko (Landtiere, Tierklinik Ismaning)

Vorerkrankungen: wann Vorsicht angebracht ist

Nicht jedes verträgliche Gemüse passt zu jedem Hund. Rote Bete und Spargel sollten laut Tierschutzliga nicht bei eingeschränkter Nierenfunktion oder Blasenschwäche verfüttert werden. Bei nierenkranken Hunden ist laut derselben Quelle auf ein günstiges Kalium-Phosphor-Verhältnis der Gemüsesorten zu achten. Bei chronischen Erkrankungen und im höheren Alter lohnt es sich daher, die Ration nicht nach allgemeinen Listen, sondern nach tierärztlicher Rückmeldung zusammenzustellen.

Verdacht auf Vergiftung: Anzeichen und erste Schritte

Typische Anzeichen einer Lebensmittelvergiftung beim Hund sind laut Landtiere Erbrechen und starker Durchfall. Da Magen-Darm-Probleme häufig vorkommen, sollten Halter zusätzlich auf Appetitlosigkeit, schlechte Koordination und Schwächeerscheinungen achten. Bei Lauchgewächsen kommt eine Besonderheit hinzu: Symptome wie Erbrechen, Durchfall, blasse Schleimhäute, beschleunigte Atmung, brauner oder roter Urin, Schwäche und Appetitlosigkeit können laut Haustier-Guru teils erst zwei bis fünf Tage nach der Aufnahme auftreten.

Wie verzögert das ablaufen kann, zeigt ein publizierter Fallbericht: Laut Thieme wurde ein 12,4 Kilogramm schwerer Rüde zwei Tage nach Aufnahme einer halben Speisezwiebel vorgestellt und zeigte Erbrechen, Mattigkeit, druckdolentes Abdomen und rotbraun verfärbten Urin, im Labor eine Hyperbilirubinämie von 2,53 mg/dl bei einem Referenzwert unter 0,3 mg/dl. Der Tiefpunkt der Erythrozytenzahl trat laut derselben Quelle erst am dritten Tag des stationären Aufenthalts und damit etwa fünf Tage nach Aufnahme der Zwiebel auf.

Bei akutem Verdacht zählt Tempo. Bei den meisten Vergiftungen sind laut Tierklinik Ismaning die ersten 48 Stunden am kritischsten; werden Symptome in diesem Zeitraum beherrscht und das Tier entgiftet, können die meisten Patienten nach Hause entlassen werden. Aktivkohle kann laut derselben Quelle eine Vielzahl von Giften binden – ein Gramm Aktivkohle erreicht eine innere Oberfläche von bis zu 2.000 Quadratmetern. Als Anlaufstelle bei akutem Vergiftungsverdacht nennt Agila den Giftnotruf unter +49 551 19240.

Häufige Fragen

Welches Gemüse ist gut für Hunde?

Gut verträglich sind in der Praxis Karotte, Kürbis, Süßkartoffel, Gurke und Zucchini. Gelb-oranges Gemüse wie Karotten, Süßkartoffeln und gelber Kürbis war laut Raghavan und Kollegen (2005) bei einer Fütterung von mindestens dreimal pro Woche mit einem geringeren Risiko für ein Übergangszellkarzinom der Harnblase bei Scottish Terriern verbunden.

Was für Gemüse dürfen Hunde nicht essen?

Als problematisch beziehungsweise giftig nennt die Tierschutzliga unter anderem Auberginen, Avocados, rohe grüne Bohnen, rohe Hülsenfrüchte, Knoblauch, Zwiebeln und Paprika.

Warum sollte Gemüse für Hunde püriert werden?

Zellulose kann von Hunden laut Dr. Hölter kaum oder gar nicht verdaut werden. Da der Hund ein Schlingfresser ist und Stücke kaum zerkaut, wird laut Clean Feeding Pürieren empfohlen; alternativ nennt Barfland Kochen, Einfrieren oder leichtes Andünsten.

Sind gekochte Zwiebeln für Hunde ungefährlich?

Nein. Auch gekochte, gebratene oder getrocknete Zwiebeln sind laut Haustier-Guru giftig. Zwiebelpulver sowie gekochte oder getrocknete Zwiebel sind laut Vitomalia durch den Wasserentzug sogar konzentrierter.

Dürfen Hunde Kartoffeln und Tomaten bekommen?

Geschälte, reife und gekochte Kartoffeln ohne grüne Stellen gelten laut Tierheilpraxis Saarpfalz als sicher. Bei Tomaten ist laut derselben Quelle entscheidend, nur reife, rote Früchte zu verfüttern; Kartoffelschalen und Kartoffelwasser sollten laut Darf-ich-mit vermieden werden.

Wie viel Gemüse verträgt ein Hund am Anfang?

Empfohlen wird laut Tierschutzliga, mit kleinen Portionen zu beginnen und hochwertiges Öl zum frischen Gemüse zu geben. Zu viel Ballaststoff auf einmal kann laut Graf Barf Blähungen oder Durchfall verursachen.

CH
Geschrieben vonClaudio Hirschberger

Schreibt im becomePro Magazin über Weiterbildung, Beruf und alles, was im Alltag weiterbringt.

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